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Hamburg, 17.10.2018 01:31 Uhr

Stadtgespraech


18:14 Uhr | 14.06.2018

Tierpark Hagenbeck beantwortet die wichtigsten Fragen

Nach Drama um Hagenbeck-Elefanten

Innerhalb weniger Tage sind im Tierpark Hagenbeck zwei Elefanten an "Elefanten-Herpes", EEHV, gestorben. In einer Stellungnahme beantwortet der Tierpark die wichtigsten Fragen.

 

Was ist das Elefanten-Herpesvirus?

 

Jede Säugetierart hat artspezifische Herpes-Erreger. Bei Elefanten kommt das Elephant Endothelioptropic Herpes Virus (EEHV) vor. Es ist bei Afrikanischen und Asiatischen Elefanten gefunden worden. Bei Asiatischen Elefanten sind die Virustypen 1, 4 und 5 bekannt. Afrikanische Elefanten können die Typen 2, 3, 6 und 7 tragen. Das bei Hagenbeck aufgetretene Virus ist EEHV1. Fast alle Asiatischen Elefanten sind Träger des EEHV.

 

Wie ansteckend ist das Virus?

 

Elefanten können Träger des Virus sein, ohne jemals selbst zu erkranken, können es aber weitergeben. In den vergangenen 30 Jahren sind in Europa zusammen über 30 Asiatische Elefanten durch das EEHV gestorben. Wie viele Tiere im Freiland gestorben sind, ist nicht bekannt. Vorwiegend sterben Jungtiere im Alter zwischen einem und neun Jahren. Eine Gefahr für Menschen geht von dem, nur bei Elefanten vorkommenden, Virus nicht aus.

 

Wie kam das Virus in die Elefantenherde von Hagenbeck?

 

Wir wissen nicht, ob das Virus schon immer in der Herde war, oder ob Gasttiere das Virus mitgebracht haben. Es gibt keine Möglichkeit, dies rückwirkend zu ermitteln.

 

Wie kann das Virus festgestellt werden?

 

Das Virus verbirgt sich in den Organen der Elefanten. So lange es nicht aktiv wird, also keine Erkrankung ausbricht, ist es nicht nachweisbar. Das kann mittels verschiedener Tests erst dann geschehen, wenn ein Tier erkrankt ist. Alle Mitglieder der Herde wurden getestet. Es konnte kein weiterer Krankheitsfall festgestellt werden.

 

Wie kann ein erkranktes Tier behandelt werden?

 

Es gibt sogenannte Virostatika, die bei einer Erkrankung gegeben werden können. Weiterhin kann Blutplasma und Flüssigkeit per Infusion gegeben werden. Beide Möglichkeiten wurden bei Anjuli angewandt.

 

Warum wurden die Tiere nicht vorab geimpft?

 

Es gibt bisher keinen Impfstoff gegen EEHV.

 

Kommen kranke Tiere in die Quarantäne?

 

Bei einer Herdenhaltung, wie Hagenbeck sie hat, ist eine Separierung des kranken Tieres nicht möglich. Die gesamte Herde und das erkrankte Tier würden derart in Stress geraten, dass eine solche Maßnahme extrem kontraproduktiv wäre.

 

Stecken sich die Tiere nicht untereinander an?

 

Da davon ausgegangen werden kann, dass EEHV 1 bereits in den Körpern der Elefanten vorhanden ist, ist eine erneute Ansteckung nicht von Bedeutung.

 

Warum bricht die Krankheit aus?

 

Bisherige Erkenntnisse lassen vermuten, dass das Virus häufig dann aktiv wird, wenn empfängliche Tiere in Stresssituationen geraten. Eine solche Situation kann zum Beispiel das Ende der Stillzeit sein, das mit einer Abnabelung von der Mutter einhergeht. Es könnte für Kanja auch der Herdenzuwachs durch Brausepaul und das Teilen von Spielpartnerin Anjuli als Stressfaktor angesehen werden. Beides Veränderungen, die in einer Herde völlig natürlich sind. Jedes Tier ist ein Individuum und reagiert anders auf Veränderungen in seiner Lebensweise. Anjuli könnte empfindlich auf den Verlust ihres liebsten Spielpartners reagiert haben.

 

Wie gefährdet ist Brausepaul?

 

Als junges Kalb ist er, nach bisherigen Erkenntnissen, nicht gefährdet. Ob der kleine Bulle bereits Träger des Virus ist, kann derzeit nicht festgestellt werden.

 

Wird sich an der Haltung der Elefanten etwas ändern?

 

Der Tierpark Hagenbeck hat mehr als 100 Jahre Erfahrung in der Haltung, der Zucht und dem Umgang mit Elefanten. Daher wird sich vorläufig nichts an der Haltung ändern. Jede Änderung der gewohnten Abläufe bedeutet außerdem Stress für die Tiere, den wir nach Möglichkeit vermeiden wollen. Die Lebenserwartung der Asiatischen Elefanten ist bei Hagenbeck hoch: Die beiden ältesten Kühe Mogli und Shandra sind bereits mehr als 50 Jahre alt.

 

Wie geht es mit der Herde weiter?

 

Tiere gehen mit Todesfällen pragmatischer um, als wir Menschen. Bei hoch entwickelten Säugetieren gibt es auch Trauer. Die Elefantenherde konnte in Ruhe Abschied von den toten Jungtieren nehmen. Dann nehmen die Tiere relativ schnell ihr normales Leben wieder auf.

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